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Urlaub August-September 2003

16.-17.August 2003

Nach einer schnellen Autobahnfahrt auf einer dichtest gefüllten Autobahn sind wir wieder in Orth. Eine echte Enttäuschung ist der Anblick unseres Bootes: dreckig, voller Seegras und was am schlimmsten ist, voller dunkler Flecken. Woher diese Flecken kommen, ist nicht klar. Vogelkot oder irgendwas von den hunderten Spinnen, die unsere "Pelle" bevölkern. Da muss zuerst mal kräftigst geschrubbt werden. Aber vor der Arbeit ist erst mal das Vergnügen angesagt. So jedenfalls sollte es im Urlaub sein. Daher besuchen wir unser Stammcafé und trinken einen Pott Kaffee und essen dazu ein leckeres Stück Apfeltorte mit Schlagsahne. Und nach diesem Urlaubsbeginn wundern wir uns über die Masse unseres Urlaubsgepäcks. Wir haben das zwar vor ein paar Stunden un Göttingen selbst ins Auto geladen, aber nun alles in die kleinen Wägelchen umladen und zum Boot karren, das zieht sich. Schliesslich ist alles im Boot, das ein paar Zentimeter tiefer im Wasser liegt und nun muss gereinigt werden. Zuerst versuche ich es mit Abwaschmittel, dann mit Scheuermilch. Helfen tut dann aber erst ein Fensterreiniger. Das Zeugs löst den Schmutz und nach drei Stunden intensivster Schrubbarbeit sieht "Pelle" wieder sauber aus. Die anstehende Motorspülung wird auf Sonntag verschoben. Das Wetter ist trübe, am Sonntag wird es aber besser und schließlich haben wir blauen Himmel. Die geplante Motorspülung kann ich ausfallen lassen: das Seeventil für den Kühlwasserzulauf saß fest. Mit "Karamba" eingesprüht, eine Nacht gewartet und schon bewegte sich das Ventil wieder. Und so konnte ich feststellen, daß das Ventil fast zugedreht war. Also ganz aufdrehen, und schon fließt das Kühlwasser wieder in ausreichender Menge. So ist der Sonntag geeignet, allerlei andere Dinge an Bord zu erledigen. Helga durchlebt derweil einen schlechten Tag. Der Kopfschmerz peinigt Sie aufs heftigste. Ich kann das schwer nachvollziehen, da ich solche Kopfschmerzen nicht kenne. Aber es muss sehr, sehr schlimm sein. Schliesslich geht der Sonntag zu Ende und nach einer erfrischenden Dusche verziehen wir uns in unseren Kojen mit der Hoffnung, am Montag unseren ersten Schlag zu segeln.

Montag, der 18.August 2003

Es geht los. Unser heutiges Ziel ist jetzt definitiv Bagenkop. Helga und ich sind uns einig, daß Bornholm jetzt im Spätsommer mit doch schon kürzeren Tagen nicht das geeignete Ziel ist. Wir wollen uns nach Norden aufmachen und die dänische Festlandsküste abklappern. Ablegen ist kein Problem bei achterlichem Wind. Der Motor läuft gut. Helga übernimmt das Steuer und in gewohnter Manier verlassen wir die Orther Bucht unter Segel. Ein Missgeschick ereilt uns: Dank elektronischer Navigation merken wir erst nach einer halben Stunde, daß wir der falschen Route folgen. Ich hatte als erstes Ziel Rødby-Havn programmiert und dann vergessen, auf die neue Route mit Ziel Bagenkop umzustellen. Aber dann, mit richtigem Kurs gibt es kein Halten. Unter Vollzeug brausen wir mit Handsteuerung bei 6 bis 7 Knoten Fahrt über das Wasser. Und sind mit Rekordzeit in nur 5 Stunden inclusive Ab- und Anlegen im Hafen von Bagenkop.

Dienstag, der 19.August 2003

Erstellt mit Cruising Navigator von Maptech

Seewetterbericht vom 19.8.2003 8:30Uhr: "Vorhersage bis Mitternacht für die westliche Ostsee: NW-W zunehmend 5 einzelne Schauerböen." Eigentlich schon genügend Gründe für den ersten Hafentag. "Zunehmend 5" ist für uns immer schon ganz schön heftig so am Anfang eines Urlaubstörns. Und dazu "einzelne Schauerböen", das löst schon Ängste aus. Aber wir wollen nicht gleich im ersten Hafen festliegen. Und andersrum betrachtet: "Zunehmend 5" heißt zügiges vorankommen und "einzelne Schauerböen" haben wir schon in unserem allerersten Urlaubstörn gemeistert. Und weil die Windrichtung passt, um nach Spodsbjerg zu kommen ist es klar: wir segeln. Ablegen bei leichtem Seitenwind mit langer Festmacherleine vorn auf der Luvseite haben wir schon oft gemacht und klappt auch heute vorzüglich. Dann zwei Runden im Hafen gedreht, um Festmacherleinen und Fender ordentlich zu verstauen und dann raus in die Brandung. Bei Westwinden ist die Hafeneinfahrt von Bagenkop so richtig spannend. Da die See hier vom Wind an Land gedrückt wird gibt es eine schöne Dünung. Man sagt wohl auch, die Küste liegt auf der Luvseite, auf Legerwall. Was für die Seefahrt schon immer ein Problem war. Denn ein antriebsloses Boot wird hier immer stranden. Aber das nur mal so nebenbei. Wir haben ja unseren Volvo-Penta und seine jetzt wieder verfügbaren dreizehn Pferdestärken und stampfen munter durch die wilde See. Nach fünfzehn Minuten heftigsten Bocksprüngen unserer "Pelle" sind wir genügend frei vom Land um unsere Segel zu setzen und auf Südkurs zu gehen. Wir wollen die Südspitze Langelands runden und dann auf der Ostseite Langelands, nun an der Leeküste, nach Spodsbjerg zu gelangen. Unter Segel und quer zur Dünung ist das Leben an Bord gleich wesentlich angenehmer. Nun rollt das Boot zwar, aber das läßt sich wesentlich leichter ertragen, als das heftige Stampfen gegenan. Schließlich sind wir weit genug südlich gesegelt und können nun Kurs Ost setzen. Da zeigt sich dann, daß Vorwindsegeln bei heftiger Dünung auch heftigen Wind braucht, um angenehm zu sein. Wir setzen nur mit der Genua und genießen diese Art zu segeln. Schon Rollo Gebhard beschrieb in seinem Buch "Seefieber" das Vorwindsegeln, also bei Weltumsegelungen das Passatsegeln nur unter Vorsegeln bei automatischer Kurssteuerung als eine der angenehmsten Arten des Segelns. Die Wellen kommen von achtern, holen das Boot ein, heben es an und laufen unter dem Boot durch und das Boot gleitet an der Welle hinab ins Wellental. Fast wie beim Wellenreiten. Und alles sehr gemächlich und ohne Stress. Dabei geht es zügig voran und auch höhere Windstärken werden auf dem Boot nicht so heftig empfunden, da der Fahrtwind ja vom wahren Wind abgezogen wird. Der Wind muss halt nur stark genug sein, um bei diesen ständigen Nickbewegungen des Bootes immer die Segel zu füllen. Bei zu wenig Wind würde ständig das Segel einfallen und das gibt heftiges Schlagen im Rigg. Zur automatischen Kurssteuerung kann man noch erwähnen, daß man das heute bei kurzen Törns schon mit einem einfachen elektronischem Steuerungsautomaten befriedigend lösen kann. Kostet natürlich Strom. Daher ist für Langfahrten eine Windfahnensteuerung die bessere Lösung. Rollo Gebhard überquerte in den sechziger Jahren das erste mal den Atlantik und hat mit Steuerleinen gearbeitet, welche mit den Passatsegeln verbunden waren. Es ist überhaupt fast nicht vorstellbar, wie heftig die technische Entwicklung speziell im Bereich der Elektronik für das Seefahren Fortschritte gebracht hat. Strom kann man aus Solarzellen oder aus Windgeneratoren beziehen. Die aktuelle Position ließt man vom GPS-Empfänger ab. Das Wetter (die Wetterberichte und -vorhersagen) ist weltweit und jederzeit verfügbar. Wasser macht man heute mit "Watermakern" direkt aus dem Mehrwasser in Trinkwassserqualität, alle Messdaten wie Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Kompasskurs, Kartenkurs, Geschwindigkeit durchs Wasser, Geschwindigkeit über Grund, Wassertiefe, Wassertemperatur, Luftdruck und was es sonst noch so alles gibt, sind per Datenbus von verschiedenen Gebern verfügbar und werden vom Notebook-Computer verrechnet und steuern das Boot per Selbststeuerung. Und zusätzlich gibt es Radar bei Schlechtwetter und in der Nacht. Alles nur noch eine Frage des Geldbeutels. Aber auch eine Frage der Sicherheit. Wenn alle Systeme funktionieren, ist alles prima. Aber bei kleinen Fehlern können hochwichtige Systeme ausfallen und da ist plötzlich aus grosser Sicherheit absolute Gefahr entstanden. Denn wer kann auf Anhieb klassisch navigieren, die Position mit Sextant und Tabelle bestimmen oder weiss, wie eine Selbststeuerung mit Hilfe von Steuerleinen funktioniert? Denkanstöße zur nimmer endenden Diskussion "Wie nützlich ist Technik?" Ich selbst bin absolut für Technik und sehe aber auch die Notwendigkeit, die Technik zu verstehen und im Ernstfall auch Störungen beheben zu können. Und die Grundlagen des Segelns zu kennen und zu üben.

Aber eigentlich sitzen wir ja gemütlich im Cockpit und genießen das Vorwindsegeln südlich von Langeland. Dann schließlich anluven und Kurs NNO. Nun segeln wir unter Raumschotkurs, der Wind treibt das Boot von schräg hinten. Und da wir nun auf der Leeseite von Langeland sind, ist die Dünung fast weg. So läßt sich vertrefflich segeln. Nun zwar mit Lage, aber es geht zügig voran. Es bleibt trotzdem genügend Zeit, die langsam vorrüberziehende Küste zu betrachten. Da wechselt die Landschaft in Zeitlupe. Denn zügig voran, das sind 6 Knoten, also knapp zehn Stundenkilometer. Um 15Uhr haben wir in Spodsbjerg festgemacht. Unser zweiter Schlag war schön. Keine Schauerbö hat uns geärgert. Der Urlaub fängt gut an.

Im Hafen von Spodsbjerg ist noch große Leere. Wir sind noch die Einzigsten am Steg. Da wir so früh hier sind, bleibt noch genügend Zeit für ein Bad im Hafenwasser. Das übrigens sehr sauber ist. Grund hierfür ist ma wieder die Logge. Unsere Logge ist noch ein altes VDO-Log mit Propellergeber. Der ist ziemlich empfindlich für Seegras. Wir sind durch grosse Seegrasfelder gefahren und hatten keine Geschwindigkeitsanzeige mehr. Also darf der Skipper ein Bad nehmen um das Seegras aus dem Loggeber zu pulen. Dazu muss getaucht weren, was ganz schön anstrengend ist. Nach dieser Arbeit ist mir im Wasser richtig warm geworden und so bleibe ich noch drin. Mit einer Scheuerbürste reinige ich noch den Wasserpass und unser Pelle sieht anschließend richtig sauber aus. Nach dieser Wasseraktion muss ich noch unsere Rollfocktechnik überprüfen. Das Ein- und Ausrollen ist mitlerweile ein wahrer Kraftakt geworden. Irgendwas ist da nich in Ordnung. Der Antrieb der Rollreffanlage für das Vorsegel ist eine Endlosleine, die über zwei Umlenkrollen eine Trommel dreht. Zwischen Trommel und Rollprofil ist eine Übersetzung mit Selbsthemmung eingebaut. Unnötig komplizierte Mechanik, wie ich inzwischen gelernt habe. Die Selbsthemmung ist eine Bremseinrichtung un der Trommel, die durch die Umlenkrollen durch den Zug an der Leine gelöst wird. So die Theorie. Praktisch ist dieser ganze Mechanikkram ausgeleiert, und die Bremsbeläge haben sich gelöst und verklemmen sich mit dem Trommelgehäuse. Tja und dann ist nichts mehr mit drehen. Kein Problem, wenn das Segel ausgerollt werden soll. Umso schlimmer aber, wenn gerefft werden muss. Dann sieht man ziemlich alt aus. Und pure Gewalt hilft dann auch nicht mehr, mal abgesehen davon, daß meine Hände dabei ziemlich gelitten haben. Es gelingt mir, die verklemmten Bremsbeläge wieder gängig zu machen. Aber das ist nur eine Übergangslösung. Es muss eine neue Rollfockanlage her. Tja und last but not least hat auch unser Pinnenautomat (SIMRAD TP10) gestreikt. Ich habe das Ding aufgeschraubt und mal angesehen. Mal abgesehen davon, daß die Dichtung schon ab Werk beschädigt eingebaut wurde, sieht eigentlich alles ganz seriös aus. Tja bis auf die Kleinigkeit, daß der Zahnriemen, der die Verstellspindel antreibt, zu locker ist und ab und an überspringt. Und keine Möglichkeit, die Riemenspannung nachzustellen. Ein echter Konstruktionsmangel. Eine einfache Verstelleinrichtung für den Motor oder besser ein Riemenspanner und es gibt kein Problem mehr. Schade, daß so geniale Dinge wie so ein Pinnenautomat an so kleinen Dingen scheitern müssen. Ich frage mich auch, warum das Ding in schwarz gehalten ist, wo doch im Sommer die Sonne draufscheint. Bisher hatte ich zwar noch keine temperaturbedingten Ausfälle, aber das ist eine Frage der Zeit. Ich habe mir auch angewöhnt, ein Handtuch über den Automaten zu legen, wenn die Sonne draufscheint. Und warum ist die Dokumentation so schlecht. Schließlich ist man im Falle des Versagens darauf angewiesen, eine Reparatur durchzuführen. Und ich denke, es gibt viele Segler so wie ich, die kein Problem damit haben, ein technisches Gerät zu verstehen und zu reparieren. Und das ist sicher notwendig, wenn man fern jeder Werkstatt mit den Defekten an irgendwelchen Geräten klarkommen muss.

Na ja, nach diesem Exkurs in die Technik zurück zum Hafen in Spodsbjerg. Inzwischen sind doch noch etliche Yachten eingelaufen, und wir sind nicht mehr allein. Nach der Wettervothersage für Mittwoch beschließen wir, noch einen Tag hier zu bleiben. Es gefällt uns sehr gut hier. Wir verlegen unseren "Pelle" in den Windschutz einer großen Motoryacht.

Mittwoch. Wir wollen heute mit dem Bus nach Rudkøbing fahren. Die Busfahrten sind gratis, was ich als eine sehr gute Sache finde. Also stehen wir pünktlich an der Bushaltestelle und los gehts. Der Bus ist gleichzeitig Schulbus und fährt kreuz und quer durch die Dörfer, um die Schulkinder einzusammeln und wieder abzusetzen.Schließlich sind wir im Zentrum von Rudkøbing. Wir erkunden die Innenstadt, sehen uns den Yachthafen an und sind eigentlich ein bißchen enttäuscht. So richtig gefallen tut uns die Stadt nicht. Na ja, vielleicht war das Wetter nicht so optimal, es hat geregnet. Vielleicht waren wir auch einfach nicht gut drauf. Nach zwei Stunden sitzen wir wieder im Bus, der uns zurüch nach Spodsbjerg bringt. Uns passiert eigentlich immer wieder das Gleiche: wenn wir jeden Tag segeln, dann wünschen wir uns mal mehr Zeit, um irgendwo zu sein. Und wenn es dann so kommt, dann sind wir nach einem Tag innerlich angespannt und wollen weiter, das Segeln geniessen und wieder irgendwo ankommen. Klingt überzogen, aber ist halt so. Und so planen wir unseren nächsten Schlag. Ziel: Kerteminde.

Donnerstag, der 21.August 2003

Erstellt mit Cruising Navigator von Maptech

Der Wettertrend für die nächsten Tage verspricht zunehmende Windstärken. Wir wollen Tja, da sind wir nun in Bogense angekommen. Nach einer rauschenden Überfahrt von Snaptun. Bei einem SW-Wind von ca. 5-6 Beaufort mussten wir hart an den Wind. Und da am Anfang der Wind noch aus W kam und eher beo 3 Bft. lag, habe ich immer noch die Genua und das Gross ungerefft stehen. Der Segeltrimm passt gut und so schieben wir zwischen 20 und 30 Grad Lage und werden mit 6 bis 7 Knoten Fahrt belohnt. Endlich geht es mal so richtig vorwärts. Leider spielt der Strom nicht mit und ist mit 1 Knoten gegenan. Trotzdem erreichen wir Bogense eine Viertelstunde vor dem gesteckten Ziel. Es ist genau 14:45Uhr, als wir anlegen. Kuchenbude aufbauen, und zwar gaaanz vorsichtig, Landstrom holen, alles klappt prima. Dann heißt es: ab zum nächsten "Købmand" und erst mal einkaufen, bevor Ladenschluss ist. Nachdem ich noch 10 Minuten unserer kostbaren Zeit verplempert habe, um , übrigens zum ersten Mal, unsere Liegegebühr an einem Automaten zu bezahlen und dafür einen risigen Kontrollaufkleber fürs Boot bekomme, tja was war denn nun. Solche Endlossätze sind einfach ätzend. Also kurz gefasst. Wir sind genau 10 Minuten vor Ladenschluss bei REMA1000 aufgelaufen. Da haben wir schnell noch einige notwendige Dinge eingekauft. Danach einen Schlenker durch die City von Bogense zum Geldautomaten. War mal wieder nötig. Und dann zurück zum Boot, Cappuccino kochen und den Kuchen essen. Den haben wir schon morgens zusammen mit den Brötchen in Snaptun gekauft. Dann erst mal Siesta halten. Das Wetter ist übrigens seit gestern echt sch.... äh schlecht. Es regnet so vor sich hin, dann mal wieder nicht. Es ist 14 Grad kalt und die Sonne scheint nicht. Kann ja auch nicht, weil es halt regnet. Gerade hat es mal wieder mehr geregnet. Mit Blitz und Donner und richtig dicken Tropfen. Man gut, dass so ein Boot doch ziemlich dicht ist, und zwar nicht nur von unten. So ist endlich mal wieder Zeit zum Schreiben. Ich war bis jetzt in diesem Urlaub richtig faul und hatte keine Lust zu schreiben. Das ist eigentlich schade, weil da so einiges drin war bis heute. Es gab Frust, es gab gute Laune. Ein ständiges auf und ab der Gefühle.